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SOZIALES/7515: Arbeit, Soziales und Familie - 12.08.2017 (SB)


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CARE-Generalsekretär Jamann berichtet aus dem Jemen

Der Generalsekretär der Hilfsorganisation CARE International, Wolfgang Jamann, berichtete am Samstag von Genf aus dem Deutschlandfunk von der Lage der Bevölkerung im Jemen nach mehr als zwei Jahren Bürgerkrieg. Jamann war kürzlich eine Woche lang durch das südarabische Land gefahren. Seinem Bericht zufolge haben viele Menschen dort nicht mehr genug zu essen. Die Wirtschaft ist zusammengebrochen. Die Versorgung des Landes ist komplett gekippt. Etwa drei Millionen Menschen mußten wegen des Krieges ihre Dörfer verlassen und sind jetzt Binnenflüchtlinge. 400.000 Menschen sind bereits von der Choleraepidemie betroffen. Jamann hat in jedem Dorf Cholerafälle gesehen. Darauf sind die Gesundheitsstationen überhaupt nicht vorbereitet. Im ganzen Land wird gekämpft und bombardiert. Daran sind neben der Regierung und den Rebellen die arabische Koalition, Al-Kaida und einige bewaffnete Gruppierungen der ehemaligen Regierung beteiligt. Nach Angaben der Vereinten Nationen sind 70 Prozent der Bevölkerung direkt betroffen. Von den 27 Millionen Menschen im Land sind über 20 Millionen auf humanitäre Hilfe angewiesen. CARE versucht sauberes Wasser, Hygiene und Latrinen bereitzustellen, damit die Cholera sich nicht weiter ausbreitet, und auf der anderen Seite die Menschen mit Nahrungsmitteln zu versorgen. Die Hilfe droht daran zu scheitern, daß die Helfer keinen Zugang zu den Menschen haben und Hilfe nicht ins Land kommt. Auf dem zerstörten Flughafen von Sanaa kann nur zweimal am Tag ein Flugzeug der UN landen. Über den Hafen in Hodeidah können Hilfsgüter auch nur unter größten Schwierigkeiten ins Land gebracht werden, weil er in den zurückliegenden Monaten ebenfalls bombardiert wurde. Die Hilfsorganisationen insgesamt sind an der Grenze ihrer Belastbarkeit, betonte Jamann: Wir haben Dürre in Ostafrika, wir haben Krieg im Norden von Nigeria, wir haben Syrien, Libyen, der Jemen. Im Prinzip ist die humanitäre Gemeinschaft an der Grenze dessen, was sie leisten kann. Es sind 60 Millionen Menschen weltweit auf der Flucht. Das ist noch mal eine ganz besondere Herausforderung, diese Menschen zu finden, diesen Menschen zu helfen.

12. August 2017


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